< „Einander gelten lassen“
Kategorie: Ausgabe 12. Februar 2015

Bibelkundliche Anmerkungen

Fremd

Israel unterscheidet zwischen reisenden Fremden, fremden Ansiedlern und fremden Völkern und behandelt diese auf je verschiedene Weise. Dem Reisenden gewährt es Gastfreundschaft; denn unterwegs sein bedeutet Not und Hilflosigkeit (1 Mose 4, 14; 19, 4ff; Richter 19). Beispielhaft sind Abrahams (1 Mose 18), Lots (19, 1ff), Rebekkas (24, 15ff) und Hiobs (Hiob 31, 32) Gastfreundschaft, verwerfliches Gegenstück ist das Verhalten der Sodomiten (1 Mose 19) und Benjaminiten (Richter 19). Die Bewirtung ohne Lohn ist selbstverständliche Pflicht (2 Samuel 12, 4).  „Kein Fremder durfte draußen zu Nacht bleiben, sondern meine Tür tat sich dem Wanderer auf“, sagt Hiob (31, 32).
Siedelt der Fremde im Land an, ist er dem Schutz Israels befohlen (2 Mose 22, 20); es soll den Fremden wie den Witwen und Waisen beistehen (5 Mose 14, 29), aber die Gottlosen bringen Witwen und Waisen um (Psalm 94, 6). Der Fremde ist durch ein eigenes Recht geschützt, dessen Begründung lautet: Gott sorgt für die Fremdling, und das heißt auch für die, die die Fremdlinge versorgen: „Darum  sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland“ (5 Mose 10, 19).
JESUS: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mit zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen […] Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 15, 35.40b).

Nachfolge Christi

Der Ruf Christi in die Nachfolge heißt: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben“ (Gal 2, 20). So leben wir in der Welt, aber nicht mehr nach ihrem Schema (Röm 12, 1f.). Wir lassen uns nicht mehr in ein Denken und Handeln hineinziehen, das das Kreuz Christi umgehen will und auf Ansehen, Einfluss und Macht in der Welt aus ist, sondern halten uns an Jesu Worte: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen“ Mt 5, 44.  „Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen“  Lk 6, 28).  Das gilt genauso für die Worte seiner Apostel: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann“ Röm 12, 17. „Eure Güte lasst kund sein    a l l e n    Menschen. Der Herr ist nahe“ Phil 4, 5. „Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. […] Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien ferne von euch samt aller Bosheit. […]  Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten…“ Eph 4, 24.31; 5, 6.  „Ehrt  jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König!“ 1 Pt 2, 17. TR